Zum Thema: Konflikt, Krieg, Flucht

Nachrichten über Konflikte, Kriege, Fluchtursachen prägen unseren Alltag, die Lebensumstände, die sich hiermit konkret verbinden, sind oft verschwommen, oder verbleiben als eine Ahnung. Auch hier können Filme eine Idee vermitteln, indem sie ProtagonistInnen in den Mittelpunkt stellen, die uns an ihrem  Leben in Krisensituationen teilhaben lassen, oder Erfahrungen nachvollziehbar und erlebbar gestalten.

So versucht die Filmemacherin Susan Gluth das Lager im Tschad Mit den Augen eines Flüchtlingskindes (2005, fluechtlingskind59 min.) zu sehen, um die Lebensbedingungen der elfjährigen Freundinnen Fatima und Jasmin verstehen zu können. Sie mussten mit ihren Familien ihre südsudanesische Heimat verlassen, um den Übergriffen der Janjaweed, der bewaffneten Reitertruppen, zu entgehen. Obwohl sich durch die Unabhängigkeit des Südsudans die Lage im Land gänzlich verändert hat, sind die Beschreibungen der beiden Mädchen exemplarisch für die Lebenssituation unter den Bedingungen der Flucht, wie sie in jedem Land vorgefunden werden könnten.

Einen ganz anderen Zugang zum Thema Flucht wählt der  senegalesische Filmemacher Moussa Touré, der die Pirogegefährliche Überfahrt auf einer Piroge von Senegal nach Spanien in einem Spielfilm verdichtet. Die Piroge (2012, 87 min.) ist Sammelpunkt für Gefühle, Beweggründe und Nöte, die Menschen veranlassen, alles hinter sich zu lassen und eine ungewisse Zukunft oder den möglichen Tod in Kauf zu nehmen. Der herausragende und mehrfach preisgekrönte Film, der sein Thema zum größten Teil in der Enge der Piroge entwickelt,  ist zur Zeit noch in verschiedenen Kinos zu sehen und steht voraussichtlich Ende des Jahres als DVD für die Bildungsarbeit zur Verfügung.

Warum vor allem junge Männer den Senegal verlassen, dafür bietet der Film Yaayboy von Peter Heller und Barney Rübe (2012, 25 min.) die notwendigen Hintergrundinformationen. Die Überfischung der Meere vor den afrikanischen Küsten – die Fangrechte wurden oftmals von den Regierungen der afrikanischen Länder an die EU verkauft – ermöglicht es jungen Männern nicht mehr, für sich und ihre Familien eine Lebensgrundlage zu schaffen. Dieser Komplex, der auch an unsere Verantwortung als VerbraucherInnen appelliert, wird auch in der Dokumentation Alptraum im Fischerboot (2007, 60 min.) von Klaus Martens und Michael Grytz eindrucksvoll entwickelt.

Flucht bedeutet aber nicht nur den Kampf um Leben und Tod, sondern auch Zeiten des Wartens auf bessere Zeiten, bevor wieder ein Schritt auf der Reise in eine vermeintlich bessere Welt getan werden kann. Bettina Haasen schildert diese Wartezeit in ihrem Dokumentarfilm Hotel Sahara (2008, 85 min.), in dem sie sich den Menschen sensibel annähert. In einer kleinen Stadt an der mauretanischen Küste haben sich die Menschen in einem Provisorium eingerichtet, um sich das Warten auf die Weiterfahrt nach Spanien erträglich zu gestalten. Den Alltag der bereits viel weiter südlich so Gestrandeten beschreibt Idrissou Mora-Kpai in seinem Dokumentarfilm Arlit, ein zweites Paris (2005, 78 min.) Früher war die Stadt in der Wüste des Niger durch den Uranabbau reich geworden, heute ist sie manchmal der letzte Halt für Gestrandete auf dem Weg durch den afrikanischen Kontinent nach Norden.

Auf ganz andere Art versucht der kurze Animationsfilm von Pascal Hecquet Eine Giraffe im Regen (2007, 12 min.) Zugang zu der komplexen Thematik Flucht/Exil zu ermöglichen. In einem fiktiven afrikanischen Land beansprucht der Löwe alles Wasser für sich. Dagegen wehrt sich die Giraffe, die daraufhin des Landes verwiesen wird und in Mirzapolis strandet, einer europäischen Stadt, die von Hunden bewohnt wird – keine leichte Situation für eine Giraffe. Spielerisch und humorvoll greift der schön gestaltete Animationsfilm eine ganze Reihe wichtiger Themen auf, die für Kinder, aber auch für Erwachsene bedeutend sind: Machtmissbrauch und Korruption, Rebellion und Anpassung, Flucht und Migration und das Leben in der Fremde.

Krieg hat viele Facetten, die des Bürgerkrieges ist eine davon. Nach jahrzehntelangem verzehrenden Krieg waren es die Frauen, die mit ihrem Mut und ihrer Entschlossenheit dem Bürgerkrieg in Liberia zu einem Ende verhelfen konnten. Zur Hölle mit dem Teufel (Gini Reticker 2008, 60 min.) verlangten die muslimischen und christlichen Frauen, die in ihrem Willen, die Kämpfe zu beenden selbstverständlich zusammenfanden – und die tatsächlich erfolgreich waren.

Kindersoldaten waren auch in Liberia beteiligt und die sprachlosen Opfer des Krieges. Ich habe getötet (26 min.) bekennen einige von ihnen in dem gleichnamigen Film von Alice Schmid. Sie hat mit fünf ehemaligen Kindersoldaten, die zur Zeit der Dreharbeiten um die 20 Jahre alt waren, bereits 1999 gesprochen. Die Berichte der jungen Menschen haben jedoch nichts von ihrer Dringlichkeit verloren, sondern spiegeln die menschliche Not, die die Beteiligung am Krieg für Kinder bedeutet.

Berichte von Kindersoldaten stehen auch im Mittelpunkt des Films Lost Children (Ali Samadi Ahadi, Oliver Stoltz 2005, 96 min.). Befreite Kindersoldaten aus den Kriegsgebieten in Norduganda versuchen, sich von ihren Erfahrungen zu befreien und werden hierbei von einheimischen SozialarbeiterInnen unterstützt.

Der Konflikt in Israel/Palästina bestimmen seit vielen Jahren die Medienberichterstattung über die Region. Dieser prägt die Menschen auf beiden Seiten zutiefst, hier seien nur einige Filme erwähnt, die sich mit diesem Thema befassen. So stehen junge israelische Soldatinnen in dem Film To see if I’m Smiling (Um zu sehen, ob ich lächle von Tamar Yarom, Israel 2007, 60 min.) im Mittelpunkt. Sechs junge Frauen sprechen zum ersten Mal öffentlich über ihren Dienst in der israelischen Armee, die sie im Gazastreifen, der Westbank und den Golanhöhen abgeleistet haben und über die an Palästinensern verübten Grausamkeiten, die sie gesehen oder an denen sie beteiligt waren. In eindrücklichen, sehr intimen und bewegenden Interviews zeigt der Film, wie die tägliche kriegerische Auseinandersetzung die Frauen auch Jahre später nicht loslässt.

Die andere Seite des Konflikts beleuchtet der kurze Spielfilm Sei still von Sameh Zoabi (2005, 19 min.). Ein geteiltes Land und der gewaltsame Tod des Onkel, haben den Jungen Ibrahim, der mit seiner Familie als Palästinenser in Israel lebt, frühzeitig teilhaben lassen an Leben und Leiden, aber auch unausgesprochenen Duldungen der Erwachsenen der bestehenden Verhältnisse.

Wie kann man in einen solchen Konflikt eingreifen? Darauf will die Internationale Friedensflottille, die 2010 Hilfsgüter nach Gaza bringen wollte, eine Antwort finden. Marcello Faraggi, der auf einem der Schiffe das Vorhaben begleitete, beschreibt die Motivation der Aktivisten, aber auch den Überfall, den israelische Soldaten auf den Konvoi begingen, bei dem neun Menschen starben und über 60 verletzt wurden, in seinem gleichnamigen Film (2011, 52 min.).

Aber auch die Jugendlichen, die eine Reise nach Israel/Palästina unternahmen, um die Geschichte verstehen zu lernen und sich durch die Gespräche mit Israelis und Palästinensern ein Bild zu machen, sind auf der Suche nach Antworten. Wir weigern uns Feinde zu sein, so der programmatische Titel des Films von Stefanie Landgraf und Johannes Gulde über das außergewöhnliche Schulprojekt ( 2001, 90 min.).

Hintergründe über den Konflikt bietet auch der Film Jerusalem – The Eastside Story des palästinensischen Filmemacher Mohammed Alatar (2008, 56 min.), der am Beispiel der Auseinandersetzungen um Ost-Jerusalem die wichtigsten Etappen der Staatsgründung Israels sowie die aktuelle Lage der in Jerusalem lebenden Palästinenser beschreibt.

In seinem Spielfilm Erde und Asche wirft Atiq Rahimi (2004, 97 min.) einen bewegenden Blick auf den Krieg und die zerstörerischen Auswirkungen auf die zumeist unbeteiligten Menschen in Afghanistan. Dasgupthir begibt sich mit seinem kleinen Enkel auf den Weg zu seinem Sohn, der in einer Mine arbeitet, um ihm die Nachricht von der Zerstörung des Dorfes zu überbringen, die seine Frau und seine Mutter nicht überlebt haben. Im film-dienst heißt es über den Film: “Ein überwältigender, ebenso kluger wie sinnlicher Film über die zerstörerischen Folgen eines namenlosen Krieges. Das parabelhafte, raffiniert strukturierte Drama vereint semidokumentarische wie surrealistische Elemente und kreist um die Notwendigkeit der Trauer, ohne die der Kreislauf von Tod und Gewalt nicht durchbrochen werden kann”.

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