Geschlechtergerechtigkeit (SDG 5)

wheretomissDas Nachhaltige Entwicklungsziel Nr. 5 steht dafür, dass alle Frauen und Mädchen zur Selbstbestimmung befähigt werden. Der Weg dorthin ist weit, doch es gibt mutige Frauen und Mädchen, die das Schicksal, das ihnen vorbestimmt zu sein scheint nicht akzeptieren, sondern sich beherzt an die Verwirklichung ihrer scheinbar unerfüllbaren Wünsche und Träume machen.

Die junge Inderin Devki zum Beispiel. Ihr größter Wunsch ist es, ein selbständiges Leben zu führen und Taxifahrerin zu werden. Doch um dieses Ziel zu erreichen, muss sie sich zuerst gegen ihren Vater, dann gegen ihren Ehemann und schließlich gegen ihren Schwiegervater durchsetzen. Anhand des Schicksals von Devki erzählt der Film, warum es für eine indische Frau so schwierig ist, sich aus den fest verankerten Rollenbildern zu befreien. Er zeigt, wie eine mutige und entschlossene junge Frau versucht, sich einen Weg zu bahnen zwischen ihrem eigenem Lebensplan und dem, den andere für sie vorsehen. „Früher nannten mich alle Tochter von Harischchandra. Nach der Hochzeit nannten sie mich Frau von Badri. Heute werde ich nur noch Aayush’s Mutter genannt. Dabei möchte ich einfach nur Devki sein.” Der Dokumentarfilm „Where to, Miss?“ von Manuela Bastian wurde 2016 mit dem Deutschen Menschenrechtsfilmpreis in der Kategorie Hochschulen ausgezeichnet.

good_morning_karachiAuch Rafina will sich nicht damit begnügen, ein Leben als Ehefrau und Mutter zu führen. In der pakistanischen Wirtschaftsmetropole spürt sie den Wind der Veränderung durch die junge aufstrebende und westlich orientierte Medien- und Modewelt, der als große Werbebanner bis zu ihr in ein ärmliches traditionellen Viertel von Karachi dringt. Die Zeit Anfang der 2000er Jahre, die die pakistanische Regisseurin Sabiha Sumar in ihrem Film „Good Morning Karachi“ beschreibt, entwirft auch die Zeit einer Gesellschaft im Umbruch, in der islamistische Fundamentalisten immer mehr an Bedeutung gewinnen. Vor diesem Hintergrund entfaltet die Befreiung Rafinas eine noch größere Bedeutung und Durchsetzungskraft.

 

 

wadjdaAuch „das Mädchen Wadjda“ in dem gleichnamigen Film der saudiarabischen Regisseurin Haifa Al Mansour will sich einen Traum erfüllen und ein eigenes Fahrrad haben. Das ist Mädchen streng verboten und so muss sie ebenfalls zu verbotenen Mitteln greifen, um das Geld für das Fahrrad zusammen zu bekommen. Auch Wadjdas Mutter ist gezwungen, ihr Leben in die eigenen Hände zu nehmen. Ihr Ehemann und Wadjdas Vater wird eine zweite Frau nehmen – und das kann sie nicht einfach hinnehmen.

Im Werk des senegalesischen Filmemachers Ousmane Sembène spielen starke und selbstbewusste Frauen eine große Rolle, denn sie stellen für ihn den Schlüssel zur Entwicklung des Kontinents dar. In seinem Film „Moolaade“ greift er das Thema der Beschneidung auf, eine Tradition, von der er sagt: „Es ist ein Verbrechen, das dem Unwissen der Menschen entspringt und ihrer Furcht, sich mit der Zukunft auseinander zu setzen.“ Sechs Mädchen suchen vor ihrer Beschneidung im Haus von Gallo Ardo Schutz, die sie mit einem Schutzbann belegt und so das Unheil vorerst von ihnen abwenden kann. So müssen sich Männer und Frauen notgedrungen mit dem Schicksal der Mädchen und dem ihres Dorfes und schließlich auch mit dem Wegs, den sie zukünftig beschreiten wollen, auseinandersetzen.

kleineverkaeuferin1Der ebenfalls aus dem Senegal stammende Regisseur Djibril Diop Mambéty hat in seinem Film „Die kleine Verkäuferin der Sonne“ dem Mut des Mädchens Sili ein Denkmal gesetzt. Sie ist durch Kinderlähmung körperlich behindert, will es aber trotzdem mit den Jungen, die auf den Straßen der Hauptstadt Dakars Zeitungen verkaufen, aufnehmen. Denn, so ihr Motto, was Jungen können, können auch Mädchen. Und so behauptet sie mutig ihren Platz auf der Straße, wird weggestoßen und trifft zugleich  auf hilfreiche Menschen, von denen sie Unterstützung erfährt.

 

flowersoffreedomMit Mut und Einfallsreichtum setzen sich kirgisische Frauen in ihrem Dorf gegen die Umweltverschmutzung durch den Goldabbau ein. Der Film „Flowers of Freedom“ von Mirjam Leuze beschreibt ihre teils gefährlichen Aktionen, sich für die Opfer des umweltschädlichen Goldabbaus einzusetzen und ihnen Gehör zu verschaffen. Sie gründen eine kleine Umweltorganisation und blockieren die Zufahrt zur Mine. Von den anderen Frauen im Dorf werden die Umweltaktivistinnen für ihren Mut und ihre Unabhängigkeit bewundert: Erkingül, die wegen ihrer politischen Aktivität massiv unter Druck gesetzt wird, Sakisch, die als erste Frau im Dorf ein Auto fährt, und die alleinerziehende Asel, die den Mut hat, sich aus einer Zwangsehe zu befreien. Und der Film erzählt wie es ihnen gelingt, sich gegen alle Widerstände auch politisches Gehör zu verschaffen.

 

Der Film „Pray the Devil back to Hell – Zur Hölle mit dem Teufel von Gini Reticker erzählt von dem mutigen und visionären Widerstand Zur_Hoelle_mit_dem_Teufelliberianischer Frauen – unter ihnen die mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnete Leymah Gbowee –, die im Jahr 2003 maßgeblich dazu beigetragen haben, Diktator Taylor zu stürzen und Frieden für ihr vom Bürgerkrieg zerrissenes Land zu erreichen. Opfer der Jahrlangen Kämpfe waren vor allem die Frauen und die Kinder. Viele dieser Frauen hatten selbst Schreckliches erlebt, ließen sich dadurch aber nicht brechen oder einschüchtern, sondern schlossen sich dem gewaltlosen Widerstand an, an dem christliche und muslimische Frauen gleichermaßen beteiligt waren – mit dem Erfolg dass Ellen Johnson Sirleaf zu Afrikas erster demokratisch gewählter Präsidentin werden konnte.