„In Search“. Ein Film von Beryl Magoko

Der Film „In Search“ von Beryl Magoko (2019, 91 Min.) erzählt die sehr persönliche und bewegende Geschichte der Regisseurin und Protagonistin Beryl Magoko aus Kenia, die sich als Mädchen der Genitalverstümmelung unterziehen musste. Die junge Frau, die inzwischen in Deutschland lebt, ist auf der Suche nach einem Weg, wie sie damit umgehen kann und steht vor der Frage, ob sie sich einer rekonstruierenden Operation unterziehen soll. Dabei spricht sie mit anderen betroffenen Frauen und kehrt zu ihrer Familie in ihre Heimat zurück. Vision Kino empfiehlt den Film für die Bildungsarbeit ab 15 Jahren in den Fächern Sexualkunde, Ethik, Religion, Biologie, Deutsch, fächerübergreifend: Erziehung zur sexuellen Selbstbestimmung und hat einen Film-Tipp veröffentlicht. Der Film bietet auch in der Auseiandersetzung mit Themen der Selbstbestimmung von Frauen, Selbst- und Fremdbilder der eigenen Persönlichkeit viele Ansatzpunkte zur Diskussion. Weitere Informationen auch unter https://insearch.magoko.net/

 

Kinostart „Für Sama“ am 05.03.2020

In ihrem Film „Für Sama“ (Großbritannien 2019, 95 Min.), den Waad al-Khateab zusammen mit Edward Watts drehte, erzählt die syrische Regisseurin ihre sehr persönliche Geschichte in Aleppo: Von den Aufständen in der syrischen Stadt über die Liebe zu ihrem Mann Hamza, die Hochzeit und die Geburt ihrer Tochter Sama, all das unter den katastrophalen Bedingungen des Krieges. Mit ihren Bildern ermöglicht Waad al-Khateab Eindrücke von Verlust, Freude und Überleben. Und es stellt sich ihr immer wieder die Frage, ob sie die Stadt verlassen soll, um das Leben ihrer Tochter zu schützen. In der Berüdnung für den Film des Monats 03/2020 der Evangelischen Filmarbeit heißt es: „Im Unterschied zum Strom der Nachrichtenbilder wird das Leid der unbekannten, zufälligen Opfer hier aber stets konkret – indem die Regisseurin es mit ihrer Erfahrung als Frau und Mutter verknüpft. „Für Sama“ bringt dem Publikum erschütternd nahe, welchen Risiken die Menschen in den neuen Kriegsregionen ausgesetzt sind.“

The Food Challenge. Wie die Ernährung sichern

Der dreiteilige Dokumentarfilm von Katja Becker (2018, 3 x 26 Min.) befasst sich mit den Geschäftspraktiken der großen Internationalen Chemiekonzerne in Kenia. So verkaufen Bayer, BASF und Syngenta in Kenia weiterhin Agrarpestizide, die wegen nachgewiesener Schädlichkeit für Menschen und Umwelt in Europa verboten sind. Entwicklungsländern wie in Kenia mit weniger strengen Gesetze werden die Chemikalien unverändert beworben und verkauft. Die Chemie- und Saatgut-Industrie versucht, im Zeichen der Welternährung auf diese Märkte zu drängen. Doch Wissenschaftler, Bauern und Aktivisten alternativer Landwirtschaftsmethoden sind sich, wie hier in Ostafrika, einig, dass es nicht mehr Chemie und Hybridsaatgut braucht, um die Welt zu ernähren, sondern dass es höchste Zeit für ein generelles Umdenken ist. Es geht darum, lokal, regional und global die bereits existierenden bäuerlichen Systeme zu stärken, um der weltweiten Machtkonzentration im Ernährungs- und Agrarsektor zu widerstehen.

Der erste Teil des Films, „Ein giftiges Geschäft?“, konzentriert sich auf die Folgen des Pestizideinsatzes auf die kenianische Landwirtschaft und die KonsumentInnen der Produkte. Vergiftungen bei Bäuerinnen und Konsumenten, der teils dramatische Verlust an Biodiversität, eine abnehmende Bodenfruchtbarkeit und die wachsende Verschuldung durch den Zwang zum Kauf von Saatgut und Pestiziden ist. Der zweite Teil, „Ursachen des Hungers“, spürt den Zusammenhängen von Agrarpolitik und Ernährungssicherheit nach. Durch Werbe- und Lobby-Aktivitäten der großen internationalen Chemiefirmen steht Kenia kurz davor, dass Kleinbauern die Wiederaussaat ihrer Feldfrüchte untersagt wird und sie dadurch dauerhaft von Hybridsaatgut abhängig werden. Ein Projekt der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) demonstriert hingegen, wie nachhaltige Bodenfruchtbarkeit erreicht und Schädlingsbefall vermieden werden kann, ohne dass dabei auf chemische Produkte zurückgegriffen werden muss. Im dritten Teil, „Auf der Suche nach Nachhaltigkeit“, wird ein Pilotprojekt im Norden Kenias vorgestellt, das in einer ariden Landschaft mittels Bewässerung gute Erträge erzielt. Hier werden allerdings auch die schwierigen sozialen Verwerfungen in einer vom Klimawandel bedrohten Region deutlich. Bewässerungsprojekte in der Landwirtschaft konkurrieren mit den Bedürfnissen der lokalen Bevölkerung, deren Herden dringend auf die schwindenden Wasserreserven angewiesen sind. Die DVD ist für die Bildungsarbeit bei EZEF zu beziehen.

„Die Wütenden – Les Misérables“ Kinostart am 23.01.2020

Am 23.02.2020 startet der Film von Ladj Ly (Frankreich 2019, 103 Min.) über die konfliktreichen Auseinandersetzungen in den Pariser Vorstädten im Kino. Stéphane ist neu in der Einheit für Verbrechensbekämpfung in Montfermei. Die Spannungen im Viertel, in dem es immer wieder zu hitzigen Auseinandersetzungen zwischen Gangs und Polizei kommt, ist unübersehbar. Seine erfahrenen Kollegen, mit denen er Streife fährt, haben ihre Methoden den Gesetzen der Straße angepasst und überschreiten dabei selbst immer wieder die Grenzen des Legalen. Als im Viertel ein Löwenbaby, lebendes Maskottchen eines Clan-Chefs, gestohlen wird, droht die Situation zu eskalieren. Bei der versuchten Verhaftung eines jugendlichen Verdächtigen werden die Polizisten mit Hilfe einer Drohne gefilmt. Ihr fragwürdiges Vorgehen droht öffentlich zu werden. Regisseur Ladj Ly, selbst in Montfermeil aufgewachsen, siedelt sein spannungsgeladenes Spielfilmdebüt am Schauplatz von Viktor Hugos berühmtem Roman “Les Misérables” an. Sein Standpunkt ist, dass sich in den letzten 150 Jahren in den von Armut und sozialen Spannungen geprägten Vororten, wo Jugendliche mit Migrationshintergrund im Krieg mit der Polizei liegen – und umgekehrt – wenig geändert hat. Hier begannen 2005 die Straßenaufstände, die Paris erschütterten. Der Film wirft einen harten und provozierenden Blick auf soziale Ungerechtigkeit und einen von Gewalt geprägten Alltag in den Pariser Banlieues, auf eine Jugend ohne Chance – und ihre Art, sie zu nutzen. Der Film basiert auf Lys gleichnamigen Kurzfilm von 2017, wurde beim Festival de Cannes 2019 mit dem ‚Preis der Jury‘ ausgezeichnet und ist der Beitrag Frankreichs für den Oscar. Film des Monats der Jury der Evangelischen Filmarbeit.

Weitere Informationen: https://www.wildbunch-germany.de/movie/die-wuetenden

„Bis dann, mein Sohn“: Kinostart am 14.11.2019

Am 14.11.2019 startet der Film „Bis dann, mein Sohn“ des chinesischen Regisseurs Wang Xiaoshuai (China 2018, 185 Min.) im deutschen Kino.Erzählt wird die Geschichte zweier Familien, deren Schicksal durch den Tod des Sohnes der einen Familie eng miteinander verbunden ist. Doch obwohl Liu Yaojun und Wang Liyun Peking verlassen und in den ihnen fremden Süden Chinas ziehen und dort einen Jungen adoptieren, dem sie den Namen des Verstorbenen geben, bleiben sie seltsam unverbunden mit dem Leben. Erst mit dem Wiederbegegnung der alten Freundin und ihrer Familie kurz vor ihrem Tod scheint eine Versöhnung vorstellbar und der Friede mit dem eigenen Schicksal. Doch neben der persönlichen Geschichte entfaltet der Film auf vielfältigen Ebenen ein Tableau der jüngeren Geschichte Chinas. Die Kulturrevolution, sowie die tabuisierten Folgen der Ein-Kin-Politik ziehen sich als roter Faden durch die fein gewebte Geschichte. Der Film wurde zum Film des Monats der Evangelischen Filmarbeit des Monats November gekürt und wurde bei der Berlinale 2019 mit dem Silbernen Bären für Wang Jingchun als Bester Darsteller und Yong Mei als Beste Darstellerin ausgezeichnet. Schon in seinem vorherigen Film „Bejing Bicycle“ gelang es Regisseur Wang Xiaouchuai, die persönliche Geschichte des 17-jährige Bauernjunge Guei, der mit hohen Erwartungen vom Land nach Peking kommt, mit den bewegenden Themen seiner Zeit zu verbinden.
Weitere Informationen zu „Bis dann, mein Sohn“ unter http://www.pifflmedien.de

„2040 – Wir retten die Welt!“ Kinostart am 07.11.2019

Im Jahr 2040 wird Velvet, die Tochter des Dokumentarfilmemachers Damon Gameau erwachsen sein. Mit seinem Film „2040 – Wir retten die Welt!“ (Australien 2019, 92 Min.) will er herausfinden, ob ihr Leben in 20 Jahren noch lebenswert ist und macht sich auf die Suche nach Projekten, die die Hoffnung auf eine gute Zukunft unterstreichen. Sein Ansatz: Wenn wir dafür sorgen, dass sich gute Ideen und Erfindungen, die es heute bereits gibt, flächendeckend durchsetzen, dann könnten wir im Jahr 2040 sogar auf eine verbesserte Lebensqualität blicken. Zum Beispiel durch miteinander verbundene Solarzell-Systeme, die lokale Communities mit Strom versorgen, diese zugleich aber auch unabhängig machen von störanfälligen zentralistischen Strukturen. Gleichzeitig würde der Energiesektor demokratischer und effizienter werden. Dies illustriert der Regisseur anhand eines Projekts in Bangladesch, bei dem einfache Menschen mithilfe des auf ihren Hüttendächern produzierten Stroms nicht nur über eine sichere Stromzufuhr verfügen, sondern auch noch miteinander Energiehandel treiben. Das eigene Stromnetz verschafft ihnen darüber hinaus – etwa in Form einer verlässlichen abendlichen Beleuchtung – auch viel mehr Möglichkeiten in Sachen Bildung, Freizeit, Arbeit und sozialer Austausch. Dieses und andere heute bereits existierende Projekte stellt Gameau vor und spricht dazu mit zahlreichen ExpertInnen weltweit – Aktivisten, Landwirten, Wissenschaftlern. Und er lässt Kinder der Generation seiner Tochter Velvet, die er überall auf der Welt trifft und die er hier mit ihren Ideen und Gedanken zum Klimawandel zu Wort kommen. Weitere Informationen: https://www.24-bilder.de/filmdetail.php?id=806

 

Kinostart: Santa & Andrés

Am 04.07.2019 startet der Spielfilm „Santa & Andrés“ des kubanischen Regisseurs Carlos Lechuga (Kuba, Frankreich, Kolumbien 2016, 105 Min., OmU) im Kino.
Im Mittepunkt stehen der unangepasste homosexuelle Schriftsteller Andrés und Santa, eine Bäuerin, die in einer landwirtschaftlichen Kooperative im Osten Kubas arbeitet. Als im nahegelegenen Dorf ein internationales Friedensforum stattfindet, schickt das örtliche Parteikomitee die linientreue Landarbeiterin Santa zu dem Schrifsteller, um sicherzustellen, dass er keine öffentlichen politischen Stellungnahmen abgibt. Drei Tage lang steigt Santa mit einem Stuhl den Hügel zum Haus des Delinquenten hinauf und positioniert sich direkt vor seiner Tür, um alles zu überwachen, was er tut. Andrés und Santa verbindet nichts außer der zermürbenden Nähe, der sie sich unterwerfen müssen. Doch als Santa Andrés schwer verletzt auffindet, führt dies zu einer zaghaften Annäherung.
Der kammerspielartig inszenierte Film konzentriert sich auf die spannungsreiche Beziehung zwischen Santa und Andrés und wie sich die beiden, die sich aus unterschiedlichen Gründen in ihre Einsamkeit zurückgezogen haben, einander vorsichtig öffnen. Angesiedelt in den 1980er Jahre erhebt der Film keine Anklage, sondern wird vielmehr durch die Art, wie er von der politischen Repression und der Homophobie jener Zeit erzählt, zu einem zeitlosen Plädoyer für Vertrauen, Zivilcourage, Solidarität und Freiheit – im persönlichen, künstlerischen und politischen Sinne.

Eine moralische Entscheidung

Am 20.06.2019 startet der iranische Spielfilm „Eine moralische Entscheidung“ von Vahid Jalilvand (Iran 2017, 104 Min.) im Kino. Erzählt wird die Geschichte des Gerichtsmediziners Kaveh Nariman, der bei einem nächtlichen Verkehrsunfall in Teheran ein Motorrad mit einer vierköpfigen Familie rammt, wobei der achtjährige Amir leicht am Kopf verletzt wird. Nariman drängt Amirs Vater Moosa, seinen verletzten Sohn direkt ins Krankenhaus zu bringen und bietet ihm Geld als Entschädigung für alle Unkosten an. Am nächsten Tag wird der Junge in Narimans Klinik zur Autopsie eingeliefert, er ist tot. Dr. Nariman glaubt,  schuldig zu sein, obwohl seine Kollegin Dr. Sayeh Behbahani eine Lebensmittelvergiftung als Todesursache diagnostiziert. Während Nariman fieberhaft versucht, die Wahrheit herauszufinden, sinnt Moosa auf Rache an den aus seiner Sicht Verantwortlichen.
In der Begründung der Jury der evangelischen Filmarbeit für den Film des Monats heißt es: „Der iranische Regisseur Vahid Jalilvand wiegt in seinem Film das Gewicht der Schuld. Der gewissenhaft arbeitende Pathologe Nariman ist nach dem Unfall mit seinem eigenen Gewissen konfrontiert. Zunächst ist es ihm unmöglich, seine befreundete Kollegin über die Zusammenhänge zu informieren. Auf die Frage, warum er so reagiere, weiß er keine Antwort. Auch Moosa, der das verdorbene Huhn besorgte, kann den Vorwürfen seiner Frau nur antworten, dass er es nicht gewusst habe. Die Sprachlosigkeit der Männer und ihr Aktionismus setzen eine Dynamik in Gang, die alle Beteiligten beschädigt. Vahid Jalilvand gibt keine einfache Antwort auf die Frage der Schuld. Die Menschen, die er zeigt, bewegen sich in den Graubereichen von Schuld und der Suche nach Gerechtigkeit. Gerade diese dynamische Unschärfe und die Vielschichtigkeit des Dramas sind fesselnd. Hervorragende DarstellerInnen, die eindringliche Kameraführung und seltene Einblicke in Arbeitsweisen des iranisch-islamischen Rechtssystems machen Eine moralische Entscheidung zu einem Meisterwerk.“
Weitere Informationen http://farbfilm-verleih.de/filme/eine-moralische-entscheidung/

„Supa Modo“, neu beim BJF

Der Film „Supa Modo“ des kenianischen Regisseurs Likarion Wainaina ( Kenia, Deutschland 2018, 74 Min.) steht beim Bundesverband  Jugend und Film zum Verleih und Kauf zur Verfügung. Erzählt wird die Geschichte der neunjährigen Jo. Todkrank tun Nachbarn, Familie, Freundinnen und Freunde alles dafür, ihren Wunsch zu erfüllen: Superheldin in einem Action-Thriller zu sein. Als „Film des Monats“ hat die Bundeszentrale für politische Bildung im Kinofenster mehr Informationen zum Film und Arbeitsblätter für Kinder ab 8 Jahren veröffentlicht. Das berührende Drama über Freundschaft, Abschiednehmen und Sterben entstand im Rahmen einer Masterclass des deutsch-kenianischen Produktionskollektivs One Fine Day Films. Weitere Informationen: www.bjf.info

Danke für den Regen – neuer Film über Klimawandel

Der Film „Danke für den Regen“ der norwegischen Filmemacherin Julia Dahr steht für die Bildungsarbeit zur Verfügung.
Nachdem der kenianische Bauer Kisilu Musya eine Kamera erhalten hat, dokumentiert er die verheerenden Folgen des Klimawandels. Über fünf Jahre führt er ein Videotagebuch über die Auswirkungen der häufiger werdenden Extremwetterereignisse, die ihn und seine Familie existenziell bedrohen. Er ist zutiefst davon überzeugt, dass eine lokale Anpassung an den Klimawandel notwendig ist und versucht unermüdlich, sein lokales Umfeld von seinen Ideen zu begeistern. Mit Unterstützung der Filmemacherin und einer norwegischen NGO reist Kisilu Musya als Vertreter der Kleinbauern und Kleinbäuerinnen einer vom Klimawandel besonders stark betroffenen Region zur UN-Klimakonferenz nach Paris. Der Dokumentarfilm erzählt von den Erlebnissen und Herausforderungen eines ehrgeizigen Klimaaktivisten aus Kenia, der sich auch den großen politischen EntscheidungsträgerInnen der Welt entgegenstellt und Bewusstsein für und Handlungen gegen die Folgen des Klimawandels einfordert. Weitere Informationen in der Datenbank