Kinostart: Santa & Andrés

Am 04.07.2019 startet der Spielfilm „Santa & Andrés“ des kubanischen Regisseurs Carlos Lechuga (Kuba, Frankreich, Kolumbien 2016, 105 Min., OmU) im Kino.
Im Mittepunkt stehen der unangepasste homosexuelle Schriftsteller Andrés und Santa, eine Bäuerin, die in einer landwirtschaftlichen Kooperative im Osten Kubas arbeitet. Als im nahegelegenen Dorf ein internationales Friedensforum stattfindet, schickt das örtliche Parteikomitee die linientreue Landarbeiterin Santa zu dem Schrifsteller, um sicherzustellen, dass er keine öffentlichen politischen Stellungnahmen abgibt. Drei Tage lang steigt Santa mit einem Stuhl den Hügel zum Haus des Delinquenten hinauf und positioniert sich direkt vor seiner Tür, um alles zu überwachen, was er tut. Andrés und Santa verbindet nichts außer der zermürbenden Nähe, der sie sich unterwerfen müssen. Doch als Santa Andrés schwer verletzt auffindet, führt dies zu einer zaghaften Annäherung.
Der kammerspielartig inszenierte Film konzentriert sich auf die spannungsreiche Beziehung zwischen Santa und Andrés und wie sich die beiden, die sich aus unterschiedlichen Gründen in ihre Einsamkeit zurückgezogen haben, einander vorsichtig öffnen. Angesiedelt in den 1980er Jahre erhebt der Film keine Anklage, sondern wird vielmehr durch die Art, wie er von der politischen Repression und der Homophobie jener Zeit erzählt, zu einem zeitlosen Plädoyer für Vertrauen, Zivilcourage, Solidarität und Freiheit – im persönlichen, künstlerischen und politischen Sinne.

Eine moralische Entscheidung

Am 20.06.2019 startet der iranische Spielfilm „Eine moralische Entscheidung“ von Vahid Jalilvand (Iran 2017, 104 Min.) im Kino. Erzählt wird die Geschichte des Gerichtsmediziners Kaveh Nariman, der bei einem nächtlichen Verkehrsunfall in Teheran ein Motorrad mit einer vierköpfigen Familie rammt, wobei der achtjährige Amir leicht am Kopf verletzt wird. Nariman drängt Amirs Vater Moosa, seinen verletzten Sohn direkt ins Krankenhaus zu bringen und bietet ihm Geld als Entschädigung für alle Unkosten an. Am nächsten Tag wird der Junge in Narimans Klinik zur Autopsie eingeliefert, er ist tot. Dr. Nariman glaubt,  schuldig zu sein, obwohl seine Kollegin Dr. Sayeh Behbahani eine Lebensmittelvergiftung als Todesursache diagnostiziert. Während Nariman fieberhaft versucht, die Wahrheit herauszufinden, sinnt Moosa auf Rache an den aus seiner Sicht Verantwortlichen.
In der Begründung der Jury der evangelischen Filmarbeit für den Film des Monats heißt es: „Der iranische Regisseur Vahid Jalilvand wiegt in seinem Film das Gewicht der Schuld. Der gewissenhaft arbeitende Pathologe Nariman ist nach dem Unfall mit seinem eigenen Gewissen konfrontiert. Zunächst ist es ihm unmöglich, seine befreundete Kollegin über die Zusammenhänge zu informieren. Auf die Frage, warum er so reagiere, weiß er keine Antwort. Auch Moosa, der das verdorbene Huhn besorgte, kann den Vorwürfen seiner Frau nur antworten, dass er es nicht gewusst habe. Die Sprachlosigkeit der Männer und ihr Aktionismus setzen eine Dynamik in Gang, die alle Beteiligten beschädigt. Vahid Jalilvand gibt keine einfache Antwort auf die Frage der Schuld. Die Menschen, die er zeigt, bewegen sich in den Graubereichen von Schuld und der Suche nach Gerechtigkeit. Gerade diese dynamische Unschärfe und die Vielschichtigkeit des Dramas sind fesselnd. Hervorragende DarstellerInnen, die eindringliche Kameraführung und seltene Einblicke in Arbeitsweisen des iranisch-islamischen Rechtssystems machen Eine moralische Entscheidung zu einem Meisterwerk.“
Weitere Informationen http://farbfilm-verleih.de/filme/eine-moralische-entscheidung/

„Supa Modo“, neu beim BJF

Der Film „Supa Modo“ des kenianischen Regisseurs Likarion Wainaina ( Kenia, Deutschland 2018, 74 Min.) steht beim Bundesverband  Jugend und Film zum Verleih und Kauf zur Verfügung. Erzählt wird die Geschichte der neunjährigen Jo. Todkrank tun Nachbarn, Familie, Freundinnen und Freunde alles dafür, ihren Wunsch zu erfüllen: Superheldin in einem Action-Thriller zu sein. Als „Film des Monats“ hat die Bundeszentrale für politische Bildung im Kinofenster mehr Informationen zum Film und Arbeitsblätter für Kinder ab 8 Jahren veröffentlicht. Das berührende Drama über Freundschaft, Abschiednehmen und Sterben entstand im Rahmen einer Masterclass des deutsch-kenianischen Produktionskollektivs One Fine Day Films. Weitere Informationen: www.bjf.info

Danke für den Regen – neuer Film über Klimawandel

Der Film „Danke für den Regen“ der norwegischen Filmemacherin Julia Dahr steht für die Bildungsarbeit zur Verfügung.
Nachdem der kenianische Bauer Kisilu Musya eine Kamera erhalten hat, dokumentiert er die verheerenden Folgen des Klimawandels. Über fünf Jahre führt er ein Videotagebuch über die Auswirkungen der häufiger werdenden Extremwetterereignisse, die ihn und seine Familie existenziell bedrohen. Er ist zutiefst davon überzeugt, dass eine lokale Anpassung an den Klimawandel notwendig ist und versucht unermüdlich, sein lokales Umfeld von seinen Ideen zu begeistern. Mit Unterstützung der Filmemacherin und einer norwegischen NGO reist Kisilu Musya als Vertreter der Kleinbauern und Kleinbäuerinnen einer vom Klimawandel besonders stark betroffenen Region zur UN-Klimakonferenz nach Paris. Der Dokumentarfilm erzählt von den Erlebnissen und Herausforderungen eines ehrgeizigen Klimaaktivisten aus Kenia, der sich auch den großen politischen EntscheidungsträgerInnen der Welt entgegenstellt und Bewusstsein für und Handlungen gegen die Folgen des Klimawandels einfordert. Weitere Informationen in der Datenbank

„Talking of Trees“ ausgezeichten bei der 69. Berlinale

Bei der 69. Berlinale wurde der Film „Talking of Trees“ des sudanesischen Regisseurs Suhaib Gasmelbari (2019, 93 Min.) mit dem Glashütte Original – Dokumentarfilmpreis ausgezeichnet.
Suliman und drei weitere Mitglieder des Sudanesischen Filmclubs haben sich vorgenommen, ein altes Kino wiederzubeleben. Sie eint nicht nur ihre Liebe zum Kino und der leidenschaftliche Wunsch, alte Filmbestände zu restaurieren und der sudanesischen Filmgeschichte neue Aufmerksamkeit zu verschaffen, sondern auch die Tatsache, dass sie alle im Exil eine Filmausbildung genossen haben. Unermüdlich versuchen sie, das Kino bespielbar zu machen. Zwischendurch sitzen sie zusammen und reden über die Vergangenheit, über Verfolgung als oppositionelle Künstler und über Folter, lesen sich alte Briefe aus dem Exil vor und träumen von einem Sudan, in dem die Kunst und das Denken frei sein können. „Wir sind schlauer als sie, aber nicht so stark“, fassen sie einhellig ihre Situation zusammen.
Suhaib Gasmelbari stellt die Geschichte des sudanesischen Kinos ins Zentrum seines Films und wirft dabei zugleich auch ein Licht auf die momentane Situation in dem von Krisen geschüttelten Land.
Der Titel des Film bezieht sich auf das Brecht-Gedicht „An die Nachgeborenen“, in dem es heißt: „Was sind das für Zeiten, wo Ein Gespräch über Bäume fast ein Verbrechen ist Weil es ein Schweigen über so viele Untaten einschließt!“

Rafiki

Am 31.01.2019 startet der kenianische Spielfilm „Rafiki“ von Wanuri Kahio im Kino (Südafrika, Kenia, Frankreich 2018, 82 Min.). Die Freundinnen Kena und Ziki sind ein Liebespaar und halten an ihrer Beziehung fest, obwohl politische Unstimmigkeiten zum Streit zwischen ihren Familien geführt hat. Doch steht nicht nur der Familienzwist zwischen ihnen: Homosexualität ist in Kenia verboten und das traditionelle Frauenbild, das von den Frauen Unterordnung verlangt, strikt durchgesetzt. Kena möchte so ein leben nicht führen sondern steht zu ihrer Unabhängigkeit. Doch obwohl alles gegen die Zukunft der beiden jungen Frauen spricht, vermittelt der Film die Möglichkeit des Aufbruchs, die auch in Kenia jungen Menschen Hoffnung gibt. „Rafiki“ basiert auf der Kurzgeschichte „Jambula Tree“ der aus Uganda stammenden Autorin Monica Arac de Nyeko. Die Filmemacherin Wanuri Kahio setzt sich in ihrem Film nicht nur mit dem verbotenen Thema der Homosexualität auseinander, sie trotz auch der Zensur und dem Aufführungsverboz ihres Films in Kenia und steht für eine neue Generation von Filmschaffenden in dem ostafrikanischen Land. Die Aufmerksamkeit, die ihr Film als erster Beitrag aus Kenia bei den Filmfestspielen von Cannes erregte, kommt diesem Anliegen entgegen.
Zu einer Filmkritik …

Yves‘ Versprechen

Am 24.01.2019 startet der Film „Yves‘ Versprechen“ von Melanie Gärtner im Kino.

Bundesweit steht die Regisseurin in verschiedenen Kinos zum Filmgespräch zur Verfügung. Nähere Informationen unter http://yves-promise.com/de/

In ihrem Film begleitet Melanie Gärtner ihren Protagonisten nicht nur auf seinen jahrelangen und verwirrenden Reisen von Afrika nach Europa, sondern sie geht, ausgestattet mit Videobotschaften zu Yves‘ Familie nach Kamerun. Dort wird er als Sohn und Bruder vermisst, vielfältige Hoffnungen und Erwartungen sind an ihn geknüpft. Hatte er nicht versprochen, dass es allen besser gehen würde… In der Kritik in epd-Film heißt es: „Der Film fächert die Strukturen dieser Familie auf, erzählt im Nebenbei ihre Geschichte, vom Vater, der einst seine Arbeit in einem Industriebetrieb verlor. Man merkt auch, welcher Druck auf Yves lastet, selbst wenn das nie so ausgesprochen wird. Auch beim zweiten Versuch schafft es Yves über das Meer. Er wird in Europa nie politisches Asyl bekommen, und es verschlägt ihn über Spanien nach Frankreich; er campiert unter Brücken und lebt in einem besetzten Studentenwohnheim. Aber »Yves‘ Versprechen« ist nicht auf Mitleid aus. Der Film zeigt, dass es kein einzelnes Flüchtlingsschicksal gibt, sondern dass immer noch andere daranhängen, Menschen, die hoffen und bangen und lieben und fordern. Das ist der zutiefst humane Grundzug dieses Films. Über die Regisseurin nimmt Yves dann zum ersten Mal Kontakt mit seiner Familie auf, sie tauschen Videobotschaften über das Tablet aus. Und der Vater fragt: ‚Yves, herrscht denn Frieden, wo Du jetzt bist?'“

Verleihung des Deutschen Menschenrechtsfilmpreises

Am 08.12.2018 wird der Deutsche Menschenrechtsfilmpreis in Nürnberg verliehen. Geehrt werden Fernseh- und Filmproduktionen, die sich in herausragender Weise mit dem Thema Menschenrechte auseinandersetzen. Die Filme tragen zum Verständnis der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948 bei und leisten einen eigenständigen Beitrag in aktuellen Menschenrechtsdebatten. Gleichzeitig wird mit dem Preis das gesellschaftspolitische Engagement der FilmemacherInnen gewürdigt.

Mit dem Preis für den besten Langfilm wird in diesem Jahr Styx von Wolfgang Fischer (2018, 94 Min.) ausgezeichnet. Die Kölner Notärztin Rike möchte sich ihren lang gehegten Wunsch erfüllen und allein mit ihrem Segelboot zur tropischen Insel Ascension im Atlantischen Ozean fahren. Doch ihre Reise nimmt eine unerwartete Wende, als ihr nach einem Sturm ein schwer beschädigtes und hoffnungslos überfülltes Flüchtlingsboot begegnet. Sie bemüht sich verzweifelt, per Funk Hilfe zu organisieren. Doch die Lage ist aussichtlos. Immer mehr Menschen ertrinken bei dem Versuch, sich von dem sinkenden Schiff auf ihr kleines Boot zu retten und Rike steht vor der schweren Entscheidung, wie sie Hilfe leisten kann ohne sich selbst zu gefährden und den Anweisungen der Behörden nicht Folge zu leisten.
Den Preis in der Kategorie Kurzfilm erhält Joe Boots von Florian Baron (aus er 3sat-Reihe ab18! 2017, 30 Min.). Unter dem Eindruck der Terroranschläge des 11. September entschließt sich der 17-jährige Joe, zum Militär zu gehen. Schon kurz nach der Grundausbildung wird er zum Einsatz in den Irak geschickt. Nach der Rückkehr in seine Heimatstadt Pittsburgh muss er feststellen, dass ihn seine Erfahrungen im Krieg nicht mehr loslassen. Joe erzählt ohne Scheu von seinem Trauma: wie er die Kontrolle über sein Leben verliert, und vergeblich nach Hilfe sucht. Denn seine Wunden sind unsichtbar. Der Film verwebt Joes Erzählungen mit Bildern, die die vermeintlich heile Welt Amerikas zeigen.
In der Kategorie Bildung wurde die Folge Der Tatorreiniger – Sind sie sicher? von Arne Feldhusen und Mizzi Meyer (2016, 30 Min.) hervorgehoben. Tatortreiniger Heiko Schotte ist beeindruckt von der Unternehmensberatungsfirma, in der er zu tun bekommt. Nur – was soll die eingebaute Uhr auf der Toilette? Schotty gerät mit Geschäftsführer Grimmehein aneinander, der ein geradezu teuflisches Vergnügen daran findet, seine Mitarbeiter an ihre Belastungsgrenze zu treiben. Das stellt ihn vor die Frage: lieber den Job behalten oder lieber seine Würde? Und wie immer findet Schotty seine ganz eigene Antwort darauf.
Außerdem wurden ausgezeichnet in der Kategorie Magazinbeiträge Erst integrieren, dann abschieben: Deutschlands absurde Asylpolitik von Naima Moussaoui und Ralph Hötte (Monitor 20117, 10 Min.), in der Kategorie Hochschule Thinking like a Mountain von Alexander Hick (2018, 71 Min.) und in der Kategorie Amateure Just a normal Girl von Vanessa Ugiagbe und Yasemin Markstein (2018, 25 Min.). Weitere Informationen: https://www.menschenrechts-filmpreis.de/

Smartphone und Co. – Neue Filme für die Bildungsarbeit

„Death by Design“ von Sue Williams wirft einen erschütternden Blick hinter die scheinbar „saubere“ Kulisse der Elektronikindustrie, von deren Produkten wir alle abhängen. Im Film kommen chinesische ArbeiterInnen und UmweltaktivistInnen aus den USA ebenso zu Wort wie engagierte Unternehmen, die sich für die Entwicklung nachhaltiger E-Produkte einsetzen.

Konsumentinnen und Konsumenten lieben ihre Smartphones, Tablets und Laptops – und leben für sie. Eine Flut neuer Geräte überschwemmt in endloser Folge den Markt. Sie versprechen eine noch bessere Kommunikation, mehr Unterhaltung und die aktuellsten Informationen. Die Zahlen sind atemberaubend. Bis 2020 werden vier Milliarden Menschen einen PC besitzen und fünf Milliarden ein Handy. Aber diese rasante Entwicklung hat auch eine Schattenseite, die die Elektroindustrie vor den Verbrauchern zurückhält. In ihrer Untersuchung, die sich über verschiedene Kontinente erstreckt, kommt die Filmemacherin Sue Williams den Abgründen der Elektroindustrie auf die Spur und zeigt, dass selbst die Herstellung des kleinsten Geräts tödliche Folgen für Umwelt und Gesundheit hat. Der Film erzählt die Geschichten von jungen chinesischen Arbeitern, die unter unsicheren Bedingungen produzieren, von amerikanischen Familien, die mit den tragischen Folgen des Umgangs der Elektroindustrie mit toxischen Stoffen leben müssen, von Aktivistinnen und Aktivisten, die alles dafür tun, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen, und von leidenschaftliches Unternehmen, die sich für die Entwicklung nachhaltiger E-Produkte einsetzen, um unseren Planeten und unsere Zukunft zu schützen. In den 1980er Jahren produzierten alle großen Elektronikfirmen im Silicon Valley. Bald erkrankten vor allem Arbeiterinnen, die in der Fertigung direkt mit hochgiftigen Substanzen zu tun hatten, an Krebs. Ein Prozess gegen IBM zog sich über Jahre hin und endete Anfang der 1990er Jahre mit einem Vergleich, über dessen Ergebnis die Klägerinnen und deren Anwälte nichts sagen dürfen. So waren die großen Unternehmen heilfroh über das Angebot, die Fertigung nach China zu verlagern. Hier gäbe es alles, was gebraucht werde: Land, Geld, Genehmigungen und Menschen, die die Komponenten zusammenbauten. So kommentiert ein amerikanischer Experte den „Umzug“ der Fertigungstechnik großer US-Firmen. Damit begann der Aufstieg Chinas zum Exportweltmeister und die USA hatten die mit der Herstellung elektronischer Geräte verbundenen Umweltprobleme „ausgelagert“.

Vision Kino hat einen FilTtipp ZOOM dem Film „Welcome to Sodom – Dein Smartphone ist schon hier“ (Florian Weigensamer, Christian Krönes, Österreich 2018, 92 Min.) gewidmet. Der FilmTipp ZOOM beinhaltet mehrere Recherchevorschläge, wie z. B. „Das illegale Geschäft mit Elektroschrott“, „Umweltverschmutzung und Gesundheitsgefährdung“ oder „Die Stellung von LGBTIQ-Menschen in Afrika“. Anhand von Smartphones kann aufgezeigt werden, dass nicht nur die Entsorgung von Elektrogeräten, sondern bereits die Produktion mit hohen Kosten für Mensch und Umwelt verbunden sein kann. Der Film regt auch zu der Diskussion darüber an, inwiefern die Industrieländer eine Mitverantwortung an der Entstehung von Fluchtursachen tragen. Da das Handy das Leitmedium von Jugendlichen schlechthin ist, empfiehlt es sich, die Beschäftigung mit der weit verzweigten Lieferkette eines Smartphones im Unterricht zu vertiefen. Die besondere Ästhetik des Films regt dazu an, sich mit seiner offenen Form des dokumentarischen Erzählens zu beschäftigen sowie mit dem grundsätzlichen Merkmal von Dokumentarfilmen, keine einfache (vermeintlich objektive) Abbildung der Wirklichkeit zu sein, sondern stets eine selektive, subjektive Sicht auf diese Wirklichkeit zur Diskussion zu stellen.

Die Kompilations-DVD „Digital-Mobil- und fair?“ bietet weitere filmische Hintrergründe zum Komplex Smartphone, Umwelt und Gerechtigkeit und Unterrichtsmaterialine zu den einzelnen Filmen

Styx

Der Film „Styx“ von Wolfgang Fischer (Deutschland, Österreich 2018, 94 Min.) startet am 13.09. im Kino. Rike arbeitet als Notärztin in Köln und bereitet sich darauf vor, ihren Traum zu erfüllen, einen Segeltörn von Gibraltar auf die Atlantikinsel Ascension. Dort sticht sie alleine mit ihrem Segelboot in See. Ihre Reise wird abrupt beendet, als sie sich nach einem Sturm auf hoher See in unmittelbarer Nachbarschaft eines überladenen, havarierten Fischerbootes wiederfindet. Mehrere Dutzend Menschen drohen zu ertrinken. Rike folgt zunächst der gängigen Rettungskette und fordert per Funk Unterstützung an. Als ihre Hilfsgesuche unbeantwortet bleiben, die Zeit drängt und sich eine Rettung durch Dritte als unwahrscheinlich herausstellt, sieht sich Rike gezwungen zu handeln. In der Begründung für den Film des Monats der Evangelischen Filmarbeit heißt es: „Abenteuerfilm, Thriller, Dokudrama? Wolfgang Fischers ‚Styx‘ hat von allem etwas. Schließlich treffen in seinem Szenario höchst unterschiedliche Sphären aufeinander. Die Protagonistin (Susanne Wolff) ist verantwortungsvoll und wirkt sympathisch in ihrem Drang zu helfen. Doch sie repräsentiert ein saturiertes Europa, dessen Bürger selbst bestimmen können, welchen Lebensrisiken sie sich aussetzen: Ihre ‚Abenteuer‘ sind allemal abgesichert. Die Menschen auf dem sinkenden Boot haben keine Wahl. Auf der Flucht vor Armut und Zwang liefern sie sich nicht nur den Elementen aus, sondern vor allem der Politik, denen, die darüber entscheiden, wem wann geholfen wird. Angesichts der inhumanen Tendenzen unserer Migrationsdebatte und der beständig steigenden Zahl der Opfer im Mittelmeer gewinnt der auf der diesjährigen Berlinale vorgestellte Film eine furchtbare Dringlichkeit. Seine Stärke liegt darin, wie er das Thema kammerspielartig in einer Extremsituation verdichtet und zugleich den Blick weitet: auf die grundlegende Ungleichheit im Verhältnis von Nord und Süd …“ http://www.film-des-monats.de