Globale Arbeitsbedingungen

Die Arbeitsbedingungen im globalen Kontext sind so ungleich, dass wir nur einige Fenster in diesen Themenkomplex öffnen wollen. Der Film Diese Hände von Flora M’Mbugu-Schelling nähert sich dem Thema Arbeit auf sehr eigene Weise an. Der 1992 entstandene Film beobachtet die Frauen in einem tansanischen Steinbruch – ohne Kommentar wird die eintönige und kraftzehrende Arbeit dargestellt, die auch im neuen Jahrtausend für afrikanische Frauen alltäglich ist und ihr Überleben sichert.

Kinderarbeit gehört zu den komplexen und widersprüchlichen Themen, wenn es um den ausbeuterischen Charakter geht.

Es sind die entführten und versklavten Kinder, wie sie in dem Film Einmal im Leben ins Kino von Alice Schmid gezeigt werden, die in der indischen Teppichindustrie arbeiten, oder für einen Hungerlohn die Fußbälle herstellen, die die Gleichaltrigen in der reichen Welt zum Spielen benutzen.

Der Film Balljungs von Svea Anderson und Anke Möller wirft einen Blick in die familiär betriebenen Fußballproduktionsstätten Pakistans, in denen hauptsächlich Kinder beschäftigt sind.

Quamers Alltag aus dem gleichnamigen Film von Preeya Nair ist bestimmt von der Produktion bunter Armreifen, mit dem die Familie ihr Einkommen bestreitet. Dies reicht jedoch nicht, um den Wunsch Quamers, endlich die Schule besuchen zu dürfen, zu erfüllen.

Dass Arbeit auch für Kinder eine wichtige Rolle nicht nur zum Überleben und zur Unterstützung der Familie, sondern auch zum Erhalt der Würde spielt, zeigt wiederum der Film Die Kleine Verkäuferin der Sonne von Djibril Diop Mambety. Der senegalesische Regisseur hat seinen Film der Kraft der Straßenkinder gewidmet, die trotz widrigster Bedingungen Wege finden, um ihr Überleben und das ihrer Familien zu sichern.

Die Globalisierung hat die industriellen Arbeitsbedingungen grundlegend verändert. Nicht von ungefähr sind die drei hier ausgewählten Filme in der chinesischen boomenden Industrielandschaft angesiedelt.

China Blue von Micha X. Peled zeigt den Alltag in den Sweatshops der chinesischen Stadt Shax, wo für einen Hungerlohn Jeans für den europäischen und us-amerikanischen Markt hergestellt werden.

In seinem Film Eine anständige Filme wiederum geht Thomas Balmes der Frage nach, ob Gewinnmaximierung und soziale Verantwortung überhaupt vereinbar sind. Dieser Frage wird am Beispiel von Nokia und ihren Produktionsstätten in China nachgegangen.

Wenn mitten im Ruhrgebiet die Kokerei Kaiserstuhl stillgelegt und von chinesischen Arbeitern abgebaut wird, um an einem neuen Standort in China wiederzuerstehen, dann treffen zwei Welten treffen aufeinander, die Gewinner und Verlierer der Globalisierung, die Ulrike Franke und Michael Loeken in ihrem Film Losers and Winners zusammenführen.

Die Landwirtschaft dient kaum noch der Subsistenz, sondern ist in weiten Teilen zu einem weiteren Arbeitsfeld des industrialisierten Wirtschaftens geworden.

Während Rithy Panh in seinem Film Das Reisfeld einen Blick auf die von Traditionen geprägten Zyklen des Reisanbaus in Kambodscha wirft, befasst sich Peter Heller in seinem Film Saubere Ernte mit dem Schicksal zweiter tansanischer Dörfer. Beide sind vom Anbau von Baumwolle abhängig. Doch während das eine Dorf sich auf die Industrialisierung des Anbaus einlässt, investiert das andere Dorf in den Anbau von Biobaumwolle und erschließt sich so neue Märkte, die in Europa entstanden sind.

Dass Tausende Kleinbauern in Kolumbien vertrieben wurden, um Platz für den Anbau von Ölpalmen für die Erzeugung von Biosprit zu schaffen, zeigt der Film Kein Brot für Öl von Renate Werner. Der Film, der mit dem Medienpreis Entwicklungspolitik 2009 des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung ausgezeichnet wurde, zeigt auch die Folgen: schon heute steigen die Lebensmittelpreise explosionsartig an.

Massenarbeitslosigkeit ist das andere Ende globaler Arbeitsbedingungen.

Der argentinische Regisseur Fernando Solanas widmet sich diesem Phänomen in seinem Film Die Würde der Arbeitslosen. Erzählt wird die Geschichte von Männern und Frauen, die ihr Schicksal nicht tatenlos hinnehmen, sondern sich in beispiellosen Aktionen ihre Würde erkämpfen und dem Versagen des Staates Eigeninitiativen entgegensetzen …

Ausführliche Informationen zu den hier genannten Filmen, sowie eine Auswahl verwandter Themen finden Sie in der Datenbank.

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