Fleischkonsum und die globalen Folgen

Zwar ist – nach Informationen des Fleischatlas 2014, herausgegeben von BUND, Heinrich-Böll-Stiftung und Le Monde Diplomatique – der Fleischkonsum in Deutschland zurückgegangen. Prognosen zufolge wird er weltweit jedoch bis 2050 von derzeit 300 Millionen Tonnen auf eine halbe Milliarde Tonnen anwachsen. Damit einhergehend wird sich die Sojaproduktion für Futtermittel zur Mästung der Schlachttiere nahezu verdoppeln – von derzeit 260 auf über 500 Millionen Tonnen.

WissensWerte hat einen Animationsclip zum Thema Fleischkonsum veröffentlicht, der über die Internetseite www.e-politik.de/lesen/wissenswerte-animationsclips-
zur-politischen-bildung/
abgerufen werden kann.

Welche verheerenden Folgen der extensive Sojaanbau schon heute auf die Situation der Kleinbauern in Paraguay hat, zeigt eindrücklich der Film Raising Resistance (Deutschland, Schweiz 2011, 84 min.) von David Bernet und Bettina Borgfeld. Das in Paraguay produzierte Soja wird vor allem nach Europa und in einige asiatische Ländern als Tierfutter exportiert. In den letzten 20 Jahren entwickelte sich Paraguay dadurch zum viertgrößten Exporteur gentechnisch veränderten Sojas. Dabei wurden nicht nur große Waldgebiete vernichtet und die Existenz der Kleinbauern zunehmend in Frage gestellt, der Anbau des Gen-Sojas erfordert auch einen hohen Einsatz an Herbiziden, die nicht nur die Natur zerstören, sondern auch massive Auswirkungen auf die Gesundheit der Bewohner haben. Der Kleinbauer Gerónimo Arevalos und seine Nachbarn wollen dies nicht länger hinnehmen. Mit Demonstrationen und Landbesetzungen kämpfen sie um die Erhaltung ihrer Lebensgrundlage. Dabei ist der Konflikt mit Soja-Großbauern, Gentechnikern, Saatgutherstellern und Aktienanlegern vorprogrammiert.

In Argentinien ist mittlerweile über die Hälfte der Nutzfläche von Soja belegt. Es sorgt für Wirtschaftswachstum, treibt aber gleichzeitig die Preise für andere Lebensmittel in die Höhe. Das ist aber nicht das einzige Problem: 99 Prozent des roundupSojas in Argentinien ist genmanipuliert und wird unter Einsatz von großen Mengen an Pflanzenschutzmitteln angebaut, womit erhebliche Gesundheitsrisiken verbunden sind. Die Kleinbauern profitieren vom Sojaboom kaum. Viele sind gezwungen, ihr Land zu verlassen und sie fordern „Ni un metro más! – nicht einen Meter mehr für den Anbau von Soja!“ In den Film Round up Argentina – wie der Sojaboom ein Land verändert (Deutschland, Argentinien 2011, 23 min.) von Sarah Nüdling schildern argentinische AktivistInnen und WissenschaftlerInnen die Veränderungen des Landes und beschreiben, wie der stetig wachsende Hunger nach billigen Futtermitteln ihren Alltag beeinflusst. Weitere Informationen unter: www.doktales.de/projekte/dokumentarfilm/
RoundUpArgentina.php

Eine andere problematische Seite unseres Fleischkonsums zeigt der Film Hühnerwahnsinn – Wie Europas Exporte Afrika schaden (Marcello Faraggi. Deutschland, Kamerun 2007, 23 min.) Während in Deutschland nur Brust und Schenkel eines Hühnchens verzehrt werden, kommt der Rest des Geflügels zu Dumpingpreisen auf den afrikanischen Markt. Huhn zu essen wird als sozialer Aufstieg gewertet. Doch das Billigfleisch hat seinen Preis. Tiefkühlkost ist in den Tropen und in armen Ländern ein Risiko. Hohe Temperaturen und Stromausfälle sind verantwortlich für Lücken in der Kühlkette. Doch nicht nur gesundheitliche Risiken sind für die afrikanischen Verbraucher mit dem Hühnerfleischexport verbunden: Die einheimischen Hühnerzüchter können dem Preiskampf nicht standhalten und müssen aufgeben.

Auch Fisch gehört zu den Nahrungsmitteln, die von europäischen Verbrauchern stark gefragt ist. Doch obwohl das Mittelmeer sowie die Ost- und Nordsee schon nahezu leergefischt sind, lässt das Angebot an Speisefischen für die Konsumenten nichts zu wünschen übrig. Doch auch die afrikanischen Gewässer sind von europäischen Industrieschiffen stark überfischt. Der Film Alptraum im Fischerboot von Michael Grytz und Klaus Martens (Deutschland 2007, 60 min.) fragt nach den Zusammenhängen zwischen der Überfischung der westafrikanischen Küstengewässer und der Tatsache, dass immer mehr junge Männer von dort aus versuchen, in Fischerbooten auf die Kanarischen Inseln zu Yaayboygelangen. Der Film Yaayboy – vom Fischen im Trüben (Peter Heller, Barney Rübe. Deutschland, Senegal 2013, 25 min.) zeigt die vielfältigen Auswirkungen europäischer Fischereiverordnungen auf die Bevölkerung des Senegal. Denn zum Mangel an Fisch zu bezahlbaren Preisen kommt der Rückgang an Arbeitsplätzen in der Fischverarbeitung. Und viele junge Fischer sehen keine Zukunft mehr in ihrem Land und suchen ihr Heil in der Flucht nach Europa. Doch zunehmend formiert sich Widerstand gegen den Ausverkauf der Fischgründe in Form von Fangmengen, die europäischen Industriefangschiffen vom senegalesischen Staat eingeräumt werden – und erste Erfolge – wie der Protest der Fischer im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen 2012 – werden sichtbar.

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